Tommy
21.04.2014, 20:00
Auf einem großen Boot mit geschlossenem Steuerhaus und Navigationsecke kann man leicht auch während einer Fahrt in Küstengewässern
mit der Seekarte arbeiten oder eine alternative Route in den (großen) Plotter eingeben. Bei den Bootsgrößen, mit denen wir hier im Forum
unterwegs sind, ist die gesamte Planung und Vorbereitung einer Tour eigentlich nur vor der Fahrt möglich. Dabei nutzen sicher die meisten
von uns ein GPS oder einen Plotter als Basis für die Navigation und für die Zielführung. Blöderweise reicht aber schon ein losgerüttelter
Stecker oder ein gebrochenes Kabel aus und das GPS ist komplett nutzlos…
Deshalb versuchen wir Touren so vorzubereiten, dass wir sie so sicher wie möglich vom Starthafen zum Zielhafen abfahren können und
zusätzlich noch einen Plan-B in der Hinterhand haben, falls das GPS Probleme macht.
http://up.picr.de/18039472az.jpg
Vorbereitung
Die Basis jeder Tourplanung sind aktuelle Karten. Für den Plotter haben wir eine Navionics-Karte, die regelmäßig aktualisiert wird. Dazu
kommt dann noch die entsprechende Seekarte des Reviers aus Papier. Speziell an der deutschen Nordseeküste muss man aber trotz
aktueller Karte bedenken, dass sich die Tiefenverhältnisse (und damit die Tonnenpositionen) schneller ändern, als sie jemand in den Karten
verbessern kann. Komplettiert wird alles durch einen Gezeitenkalender in Papierform.
Im ersten Schritt der Planung sammeln wir dann noch zusätzlich Infos über das Internet zu Start- und Zielhafen, kontaktieren Hafenmeister
wegen Sliprampe und Liegeplätzen und informieren uns über die Benzinversorgung. Entsprechende Infos für die deutsche Nordseeküste
findet man z.B. hier:
http://www.wattenschipper.de/index.htm
http://www.kuestenfahrer.de/
Die Planung der eigentlichen Route machen wir wegen der guten Übersicht mit Hilfe der Papierkarte und einer Navigations-Software auf dem
Rechner. Wenn es irgendwie geht, legen wir die Wegpunkte einer Route auf die Positionen von Tonnen. Ein Grund dafür ist, dass es
besonders bei Seegang viel einfacher ist, auf ein sichtbares Ziel zuzufahren als auf einen imaginären Wegpunkt im Wasser. Außerdem sind
Tonnen mit ihrer eindeutigen Kennzeichnung eine gute Kontrolle dafür, ob man tatsächlich auf dem gewünschten Kurs ist und ob die Anzeige
des Plotters mit der Realität übereinstimmt.
http://up.picr.de/18039483ml.jpg
Ganz nebenbei kann man in Gezeitenrevieren, wie der Nordsee, auch prima an den Tonnen ablesen, ob gerade auf- oder ablaufendes
Wasser ist, weil die Tonnen auf der angeströmten Seite eine „Bugwelle“ haben und sich oft auch in Strömungsrichtung neigen.
http://up.picr.de/18039480zl.jpg
Ein weiterer wichtiger Grund für Tonnen als Wegpunkte ist unser Plan-B für den Fall eines Totalausfalls von Plotter und GPS. Eine Tonne kann
man im Notfall auch per Kompass „finden“, einen imaginären Wegpunkt im Wasser dagegen nicht ohne exakt die gefahrene Distanz zu kennen.
Alle Wegpunkte, die wir im Plotter als Route speichern, notieren wir uns zusätzlich in einer Art „Maritimen Roadbook“. Neben den Koordinaten
aller Wegpunkte listen wir auch die Kennzeichnungen der Wegpunkt-Tonnen, die Kurse von Wegpunkt zu Wegpunkt sowie alle Distanzen von
Wegpunkt zu Wegpunkt auf. Für den Hinweg und noch einmal für den Rückweg.
Die Kartenarbeit zum Erstellen einer Wegpunktliste ist zwar etwas zeitaufwändig aber auf diese Weise beschäftigt man sich schon einmal
ausführlich mit dem Revier und mit der geplanten Route. So bekommt man ein Gefühl für die Entfernungen und sieht wichtige Dinge, wie
Untiefen, Verkehrstrennungsgebiete, Sperrgebiete oder Ausweichhäfen, was auf einem kleinen Plotter-Display deutlich schwieriger ist.
Unsere Navigationsausrüstung
- Mobiler Plotter „Geonav 4Gipsy“ (4 Zoll Display) Nutzung vorne und hinten möglich
- Fest verbautes GPS „Garmin GPS 152H“ ohne Kartenfunktion als Kurs- und Geschwindigkeitsanzeige sowie als Reserve-GPS
- Fest verbauter Kompass
- Gezeitenkalender
- Papierseekarten in wasserdichter Klarsichthülle
- Komplettes Navigationsbesteck
- „Maritimes Roadbook“ mit allen Wegpunkten, Kursen, Distanzen
- Hafeninfos, Kontaktdaten Hafenmeister
- Marine-Fernglas mit Kompass
- Peilkompass
Während der Fahrt
Die Platzverhältnisse auf unserem Boot sind nicht besonders üppig und auch unser Plotter ist ziemlich klein und das Display entsprechend schlecht
abzulesen. Besonders während der Fahrt.
http://up.picr.de/18039498ip.jpg
Deshalb hat es sich für unser Boot als sehr gute Lösung herausgestellt, dass Ute während der Fahrt die Navigation übernimmt. Entsprechend
ist der Plotter dann auch hinten montiert. So sagt Ute mir den Kurs an, den ich dann nach Kompass oder nach dem vorne verbauten GPS steuern
kann. Das Garmin ist deshalb so eingestellt, dass es nur vier Werte in sehr großer Größe anzeigt und so habe ich immer Geschwindigkeit, Kurs,
Tageskilometer und Uhrzeit im Blick.
http://up.picr.de/18039499lj.jpg
Unser Kompass ist eigentlich recht groß aber bei bewegtem Wasser sieht das mit der Ablesbarkeit dann schon wieder ganz anders aus. Und
auch die Kurs-Anzeige des GPS springt bei solchen Bedingungen schon mal um 5° auf und ab. Das muss man dann irgendwie für sich mitteln.
Falls die Übersicht auf dem kleinen Plotter-Display einmal nicht ausreicht, können wir jederzeit zur Papier-Seekarte greifen. Besonders bei
Ansteuerungen von Häfen bietet die Papierkarte gegenüber unserem kleinen Plotter-Display meist die wesentlich bessere Übersicht.
Plan-B
Für den Fall, dass unser Plotter ausfällt, haben wir zunächst noch unser Zweit-GPS. Auch wenn dieses keine Kartenansicht hat, kann man
Wegpunkte eingeben und sich den zu steuernden Kurs anzeigen lassen. Dafür ist es allerdings notwendig, dass man jederzeit weiß, auf welchen
Wegpunkt man gerade zufährt und dass man eine Liste aller Wegpunkte mit Koordinaten dabei hat, um das GPS dann damit zu füttern. Sollten
beide GPS-Geräte ausfallen, haben wir noch unsere Papier-Seekarte und das Navigationsbesteck. Da wir den zuletzt gesteuerten Kurs kennen,
könnten wir zunächst per Kompass bis zum nächsten Wegpunkt weiterfahren, der dann aber zwingend eine Tonne sein muss und nicht ein frei
gesetzter Punkt im Wasser. An der Tonne wären wir dann erst einmal „sicher“, weil wir genau wüssten, wo wir sind. Von dort könnten wir dann
mit Hilfe von Roadbook und Kompass zum nächsten Wegpunkt/Tonne fahren oder mit Hilfe der Seekarte und des Navigationsbestecks einen
alternativen Kurs festlegen, diesen in die Karte einzeichnen und per Kompass abfahren. Das Arbeiten mit der Seekarte müssten wir zwar kniend
auf dem winzigen Deck machen aber es würde grundsätzlich gehen und nur darauf kommt es in so einer Situation an.
Fazit
Klar ist unsere Art der Navigation recht (zeit)aufwändig und jemand der an der Küste lebt und dort alle Tonnen und Seehunde mit Vornamen
kennt, wird uns sicher dafür belächeln. Aber für uns ist es nur ein Hobby und es sind sehr wenige solcher Touren. Und weil wir nicht wegen eines
Navigationsfehlers auf einer Untiefe landen wollen oder mit leerem Tank einem 300 Meter Containerschiff vor den Bug treiben möchten, bleiben
wir für uns bei dieser Art der Vorbereitung und Navigation. Einfach, weil unsere Sicherheit uns das wert ist.
http://up.picr.de/18039511fv.jpg
Sicher gibt es auch noch andere Möglichkeiten, eine Tour vorzubereiten und auch die persönlichen Sicherheitsbedürfnisse sind vermutlich
sehr unterschiedlich. Deshalb:
- Wie bereitet ihr bezüglich der Navigation eine Tour in unbekannten Küstengewässern vor?
- Auf was achtet ihr bei der Planung?
- Welche Navigationsmittel nutzt ihr?
- Welche Sicherheiten baut ihr in eure Navigation ein?
- Habt ihr einen Plan-B?
.
.
mit der Seekarte arbeiten oder eine alternative Route in den (großen) Plotter eingeben. Bei den Bootsgrößen, mit denen wir hier im Forum
unterwegs sind, ist die gesamte Planung und Vorbereitung einer Tour eigentlich nur vor der Fahrt möglich. Dabei nutzen sicher die meisten
von uns ein GPS oder einen Plotter als Basis für die Navigation und für die Zielführung. Blöderweise reicht aber schon ein losgerüttelter
Stecker oder ein gebrochenes Kabel aus und das GPS ist komplett nutzlos…
Deshalb versuchen wir Touren so vorzubereiten, dass wir sie so sicher wie möglich vom Starthafen zum Zielhafen abfahren können und
zusätzlich noch einen Plan-B in der Hinterhand haben, falls das GPS Probleme macht.
http://up.picr.de/18039472az.jpg
Vorbereitung
Die Basis jeder Tourplanung sind aktuelle Karten. Für den Plotter haben wir eine Navionics-Karte, die regelmäßig aktualisiert wird. Dazu
kommt dann noch die entsprechende Seekarte des Reviers aus Papier. Speziell an der deutschen Nordseeküste muss man aber trotz
aktueller Karte bedenken, dass sich die Tiefenverhältnisse (und damit die Tonnenpositionen) schneller ändern, als sie jemand in den Karten
verbessern kann. Komplettiert wird alles durch einen Gezeitenkalender in Papierform.
Im ersten Schritt der Planung sammeln wir dann noch zusätzlich Infos über das Internet zu Start- und Zielhafen, kontaktieren Hafenmeister
wegen Sliprampe und Liegeplätzen und informieren uns über die Benzinversorgung. Entsprechende Infos für die deutsche Nordseeküste
findet man z.B. hier:
http://www.wattenschipper.de/index.htm
http://www.kuestenfahrer.de/
Die Planung der eigentlichen Route machen wir wegen der guten Übersicht mit Hilfe der Papierkarte und einer Navigations-Software auf dem
Rechner. Wenn es irgendwie geht, legen wir die Wegpunkte einer Route auf die Positionen von Tonnen. Ein Grund dafür ist, dass es
besonders bei Seegang viel einfacher ist, auf ein sichtbares Ziel zuzufahren als auf einen imaginären Wegpunkt im Wasser. Außerdem sind
Tonnen mit ihrer eindeutigen Kennzeichnung eine gute Kontrolle dafür, ob man tatsächlich auf dem gewünschten Kurs ist und ob die Anzeige
des Plotters mit der Realität übereinstimmt.
http://up.picr.de/18039483ml.jpg
Ganz nebenbei kann man in Gezeitenrevieren, wie der Nordsee, auch prima an den Tonnen ablesen, ob gerade auf- oder ablaufendes
Wasser ist, weil die Tonnen auf der angeströmten Seite eine „Bugwelle“ haben und sich oft auch in Strömungsrichtung neigen.
http://up.picr.de/18039480zl.jpg
Ein weiterer wichtiger Grund für Tonnen als Wegpunkte ist unser Plan-B für den Fall eines Totalausfalls von Plotter und GPS. Eine Tonne kann
man im Notfall auch per Kompass „finden“, einen imaginären Wegpunkt im Wasser dagegen nicht ohne exakt die gefahrene Distanz zu kennen.
Alle Wegpunkte, die wir im Plotter als Route speichern, notieren wir uns zusätzlich in einer Art „Maritimen Roadbook“. Neben den Koordinaten
aller Wegpunkte listen wir auch die Kennzeichnungen der Wegpunkt-Tonnen, die Kurse von Wegpunkt zu Wegpunkt sowie alle Distanzen von
Wegpunkt zu Wegpunkt auf. Für den Hinweg und noch einmal für den Rückweg.
Die Kartenarbeit zum Erstellen einer Wegpunktliste ist zwar etwas zeitaufwändig aber auf diese Weise beschäftigt man sich schon einmal
ausführlich mit dem Revier und mit der geplanten Route. So bekommt man ein Gefühl für die Entfernungen und sieht wichtige Dinge, wie
Untiefen, Verkehrstrennungsgebiete, Sperrgebiete oder Ausweichhäfen, was auf einem kleinen Plotter-Display deutlich schwieriger ist.
Unsere Navigationsausrüstung
- Mobiler Plotter „Geonav 4Gipsy“ (4 Zoll Display) Nutzung vorne und hinten möglich
- Fest verbautes GPS „Garmin GPS 152H“ ohne Kartenfunktion als Kurs- und Geschwindigkeitsanzeige sowie als Reserve-GPS
- Fest verbauter Kompass
- Gezeitenkalender
- Papierseekarten in wasserdichter Klarsichthülle
- Komplettes Navigationsbesteck
- „Maritimes Roadbook“ mit allen Wegpunkten, Kursen, Distanzen
- Hafeninfos, Kontaktdaten Hafenmeister
- Marine-Fernglas mit Kompass
- Peilkompass
Während der Fahrt
Die Platzverhältnisse auf unserem Boot sind nicht besonders üppig und auch unser Plotter ist ziemlich klein und das Display entsprechend schlecht
abzulesen. Besonders während der Fahrt.
http://up.picr.de/18039498ip.jpg
Deshalb hat es sich für unser Boot als sehr gute Lösung herausgestellt, dass Ute während der Fahrt die Navigation übernimmt. Entsprechend
ist der Plotter dann auch hinten montiert. So sagt Ute mir den Kurs an, den ich dann nach Kompass oder nach dem vorne verbauten GPS steuern
kann. Das Garmin ist deshalb so eingestellt, dass es nur vier Werte in sehr großer Größe anzeigt und so habe ich immer Geschwindigkeit, Kurs,
Tageskilometer und Uhrzeit im Blick.
http://up.picr.de/18039499lj.jpg
Unser Kompass ist eigentlich recht groß aber bei bewegtem Wasser sieht das mit der Ablesbarkeit dann schon wieder ganz anders aus. Und
auch die Kurs-Anzeige des GPS springt bei solchen Bedingungen schon mal um 5° auf und ab. Das muss man dann irgendwie für sich mitteln.
Falls die Übersicht auf dem kleinen Plotter-Display einmal nicht ausreicht, können wir jederzeit zur Papier-Seekarte greifen. Besonders bei
Ansteuerungen von Häfen bietet die Papierkarte gegenüber unserem kleinen Plotter-Display meist die wesentlich bessere Übersicht.
Plan-B
Für den Fall, dass unser Plotter ausfällt, haben wir zunächst noch unser Zweit-GPS. Auch wenn dieses keine Kartenansicht hat, kann man
Wegpunkte eingeben und sich den zu steuernden Kurs anzeigen lassen. Dafür ist es allerdings notwendig, dass man jederzeit weiß, auf welchen
Wegpunkt man gerade zufährt und dass man eine Liste aller Wegpunkte mit Koordinaten dabei hat, um das GPS dann damit zu füttern. Sollten
beide GPS-Geräte ausfallen, haben wir noch unsere Papier-Seekarte und das Navigationsbesteck. Da wir den zuletzt gesteuerten Kurs kennen,
könnten wir zunächst per Kompass bis zum nächsten Wegpunkt weiterfahren, der dann aber zwingend eine Tonne sein muss und nicht ein frei
gesetzter Punkt im Wasser. An der Tonne wären wir dann erst einmal „sicher“, weil wir genau wüssten, wo wir sind. Von dort könnten wir dann
mit Hilfe von Roadbook und Kompass zum nächsten Wegpunkt/Tonne fahren oder mit Hilfe der Seekarte und des Navigationsbestecks einen
alternativen Kurs festlegen, diesen in die Karte einzeichnen und per Kompass abfahren. Das Arbeiten mit der Seekarte müssten wir zwar kniend
auf dem winzigen Deck machen aber es würde grundsätzlich gehen und nur darauf kommt es in so einer Situation an.
Fazit
Klar ist unsere Art der Navigation recht (zeit)aufwändig und jemand der an der Küste lebt und dort alle Tonnen und Seehunde mit Vornamen
kennt, wird uns sicher dafür belächeln. Aber für uns ist es nur ein Hobby und es sind sehr wenige solcher Touren. Und weil wir nicht wegen eines
Navigationsfehlers auf einer Untiefe landen wollen oder mit leerem Tank einem 300 Meter Containerschiff vor den Bug treiben möchten, bleiben
wir für uns bei dieser Art der Vorbereitung und Navigation. Einfach, weil unsere Sicherheit uns das wert ist.
http://up.picr.de/18039511fv.jpg
Sicher gibt es auch noch andere Möglichkeiten, eine Tour vorzubereiten und auch die persönlichen Sicherheitsbedürfnisse sind vermutlich
sehr unterschiedlich. Deshalb:
- Wie bereitet ihr bezüglich der Navigation eine Tour in unbekannten Küstengewässern vor?
- Auf was achtet ihr bei der Planung?
- Welche Navigationsmittel nutzt ihr?
- Welche Sicherheiten baut ihr in eure Navigation ein?
- Habt ihr einen Plan-B?
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