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Aussenbordmotoren Alles zum Thema Motoren, egal ob 2 oder 4-Takt

 
 
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Alt 20.11.2011, 12:34
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Standard E10, Phasentrennung, Wasser im Benzin

Um eines gleich vorweg zu nehmen: Eine ökologische oder gar moralische Wertung über Sinn und Unsinn des E10 Sprits möchte ich hiermit nicht beginnen - darüber wurde schon genug (mehr oder weniger) fachlich diskutiert.

Ich habe aus eigenem Interesse (Verständniss) mal versucht, das Problem an der Sache zu verstehen und bin auf folgende Erklärungen gestossen.

Mag sein, das dies nun eine Wiederholung von so manchen Inhalten aus Beiträgen ist, mit der Suchfunkktion ist das Thema aber nicht so einfach zu finden (Nur wenn man 'Phasentrennung kennt und ein gibt )

Hier die Ausszüge und (für mich)logischen Erklärungen:

Aus verschiedenen Gründen enthält handelsübliches Tankstellenbenzin eine bestimmte Menge an Ethanol. An den Tankstellen gibt es neben einer ethanolfreien Benzin-Variante noch zwei weitere Ethanol-Benzin-Gemische: E5, mit einem Ethanol-Gehalt von 5% und E10, mit einem Ethanol-Gehalt von bis zu 10%. Damit noch nicht genug, es sind derzeit höhere Ethanol-Benzin-Gemische (E15 oder höher) in der Diskussion.
An den Zapfsäulen der Tankstellen wird der genaue Ethanol-Gehalt im Benzin nicht angegeben. Daher weiß der Kunde nicht, ob und welche Mischung an Benzin und Ethanol er tatsächlich kauft.

Die Herausforderung ist die unbestimmte Menge an Wasser im E?-Benzin, welche aus verschiedenen Gründen (z.B. Kondenswasser -> belüfteter Tank, usw.) vorhanden ist bzw. sich bildet und sich nicht vollständig mit dem Benzin vermischt.

Bei den Kraftstoffen ohne Ethanol setzt sich das Wasser unterhalb des Benzins auf dem Boden des Kraftstoffbehälters ab. Daher ist in regelmäßigen Abständen über den Wasserabscheider (Drainer) das Wasser aus dem Kraftstofftank zu entfernen.

Das Verhalten bei Benzin-Gemischen mit Ethanol ist dagegen anders. Das Ethanol mischt sich sowohl mit Benzin, als auch mit Wasser. Benzin (alle Sorten) mischt sich nicht mit Wasser. Ethanol vermischt sich besser mit Wasser als mit Benzin. Es entsteht eine so genannte Emulsion, in der das vorhandene Wasser in der gesamten Kraftstoffmenge vorhanden ist.
Mit zunehmender Menge an Wasser im Kraftstoff kann das Ethanol die Emulsion nicht weiter aufrecht erhalten, letztlich wird eine sog. Phasentrennung auftreten. D.h. das Ethanol-Wassergemisch trennt sich aus dem Benzin und wird sich am Boden des Kraftstofftanks absetzen - das Benzin ohne Wasser darüber. Bei einer Erschütterung oder Vibration vermischen sich die Flüssigkeiten wieder kurzzeitig zu einer Emulsion. Jedoch trennen sich wieder die Phasen innerhalb weniger Sekunden.


Nachdem sich die Phasentrennung wieder eingestellt hat, treten die folgenden unerwünschten Wirkungen auf:
  • Der Kraftstoff wird von der Unterseite des Tanks angesaugt. Deshalb werden das gesamte Kraftstoffsystem und der Motor mit einem reinen Ethanol-Wasser-Gemisch versorgt. Der obere Teil des "Sprits" hat nun zuwenig Oktan, da Ethanol einen größeren Oktan-Anteil an dem Gemisch (ursprünglich Benzin-Ethanol) besteuert. Der untere Teil kann im schlimmsten Fall zum Kraftstoffeinlass des Motors gelangen und dort starke Schäden verursachen:
    - Problem 1: Oktan-Anteil stimmt nicht
    - Problem 2: Wasser ist nunmal nicht komprimierbar (Injektoren)
    - Problem 3: Wasser fördert die Korrosion (Injektoren)
  • Auch wenn einzelnen Komponenten der Kraftstoffanlage für ein E10-Kraftstoff-Gemisch ausgelegt sind, so lassen sich Beschädigungen durch reinen Ethanol nicht völlig ausschließen. Bestimmte Kunststoffe werden von Ethanol angegriffen (aufgelöst oder quellen), daraus resultieren Undichtigkeiten!
  • Es können Probleme bei der Verbrennung des Kraftstoffgemisches auftreten, denn der Motor wurde ausgelegt um Benzin zu verbrennen und keinen reinen Ethanol.
  • Ethanol ist ein hervorragendes Reinigungsmittel. Daher können immer vorhandene Schmutzpartikel aus dem Treibstoffsystem gelöst werden und Filter, Pumpen und Vergaser/Injektoren blockieren.

Meine Meinung und Vorgehensweise:
  • Den Tank nicht über längere Zeit halbleer stehen zu lassen, denn das würde eine Phasentrennung nur begünstigen. Was nun 'längere Zeit' bedeutet sollte jeder für sich selbst festlegen. Ich denke so an 8 Wochen.
  • Standardmäßig Benzinstabilisatoren verwenden:
    - Evinrude 2+4 Stabilisator: 0,2%, d.h. auf 10l Benzin kommen 20 ml Stabi
    - STA-BIL Marine Formula: 0,1%, d.h. auf 10l Benzin kommen 10 ml Stabi
    (Wenn ich an einem Tag mal meinen 100l-Tank verfahre, dann spare ich mir die Zugabe.)
  • In meinem speziellen E-Tec-Fall: sollte das Boot längere Zeit stehen bleiben, so fahre ich die letzten 10 Minuten aus einem kleinen Zusatztank eine 'Spezialmischung', welche den doppelten Anteil der oben genannten Stabilisatorenanteile enthält und beim rausslippen fahre ich mal schnell das Einwinterungsprogramm - ist ja kein Aufwand und laut meinem Evinrude-Schrauber (R.Jochum) nicht schädigend, wenn das mal 2 - 3 x jährlich passiert. Somit ist mein gesamtes Kraftstoff- und Einspritzsystem geschützt!
    Nach der Winterpause sauge ich händisch (also nicht über den Motor) ein paar Liter über den Bezinfilter mit Wasserabscheider ab und begutachte den Wasserabscheider.

Mag ein wenig pedantisch und aufwendig klingen, jedoch mit einer 2-Wegumschaltung der Benzinzufuhr kann ohne Aufwand ein kleiner Zusatztank angeschlossen werden. Und das Einwintern ist beim E-Tec eh ein Klacks -> der Motor wirds mir (hoffentlich) danken.
__________________
Gruß Thomas

Boot: Shetland 536, Motor: E-Tec 90, Trailer: Brenderup B018B
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